malimania

come rain, come shine Oktober 24, 2008

come rain, come shine (Brüssel), originally uploaded by malidinapoli.

Den Haag, 24.10.2008, 7.50h:
Der einzige Vorteil am Rad fahren im Dunkeln bei Regen ist, dass der Asphalt beginnt zu glänzen. Weniger Morgenmenschen sind draußen zu sehen, sie verstecken sich in ihren geheizten Autos. Ich werde schon in meiner Straße auf den Bürgersteig umgeleitet, weil wie sehr oft ein großer Lastwagen den Weg versperrt. Diesmal einer mit Namen „Zwarte Container“, der aber einen großen roten Container langsam auf den Boden hievt. Das ist, als ob man in blauer Schrift das Wort GRÜN schriebe. Die Palastparkwächter unterhalten sich, wieder ist die Blonde mit dem frechen Zopf unter ihrer Mütze dabei. In der Piet-Hein-Straat falle ich diesmal nicht auf den Papp-Manager herein, der in einem Geschäft an der Ecke hell beleuchtet grüßt. Zwei kräftige Männer verarzten einen kleinen grauen Elektrizitätskasten. An der Baustelle sehe ich nur Männer im Container, nicht im Regen draußen. Wie immer sitzt der Junge mit der Baseballkappe hinter einem Bildschirm. Das Nivea-Mädchen an der Tramhaltestelle ist abgelöst worden durch ein Bistro „Bon appétit“ – Pizzabrot von Dr. Oetker. Wie beliebig die Werbewelt geworden ist. Mädchen und Brot könnten gleichzeitig in Warschau oder Berlin zu sehen sein und sind es wahrscheinlich auch. Ich schüttele den Kopf, meine Kapuze verrutscht. Dann schließt sich das Gitter meiner Arbeit hinter mir.

 

missing something Oktober 23, 2008

missing something (Brüssel), originally uploaded by malidinapoli.

Die Helligkeit der schmalen Mondsichel erstaunt mich, als ich mich auf mein Rad schwinge. Die Palastparkwächter treten unruhig von einem Fuß auf den anderen, wohl um die Kälte zu vertreiben. Beschlagene Autoscheiben und mein sichtbarer Atem sind Zeugen der fortschreitenden Jahreszeit. Ein Lieferwagen stellt sich zum Wenden quer auf die Strasse und versperrt mir kurzfristig den Weg. Auf seiner Ladefläche ist eine weiße Maschine mit dem Namen „Putzmeister“ gebettet. Die könnte sich vielleicht einmal um das arme Waisensofa kümmern, das vor zwei Tagen vor einem Antikmöbelgschäft ausgesetzt wurde und seitdem auf dem Bürgersteig bei Wind und Wetter sein Dasein fristen muss . Beim Vorbeifahren denke ich an all die Märchen, in denen Spielzeugfiguren mit Verstand und Gefühl um die Weihnachtszeit herum in Regalen verstauben und schließlich in letzter Sekunde doch noch ein neues Zuhause finden. Ob das dem Sofa gelingen wird, ist leider zweifelhaft. Gesellschaft hingegen hat wenigstens der Graureiher, der still im flachen Wasser des Teiches steht und von schlafenden Enten umringt wird. Ich grüße ihn lautlos. Dann schließt sich das Gitter meiner Arbeit hinter mir.