malimania

missing something Oktober 23, 2008

missing something (Brüssel), originally uploaded by malidinapoli.

Die Helligkeit der schmalen Mondsichel erstaunt mich, als ich mich auf mein Rad schwinge. Die Palastparkwächter treten unruhig von einem Fuß auf den anderen, wohl um die Kälte zu vertreiben. Beschlagene Autoscheiben und mein sichtbarer Atem sind Zeugen der fortschreitenden Jahreszeit. Ein Lieferwagen stellt sich zum Wenden quer auf die Strasse und versperrt mir kurzfristig den Weg. Auf seiner Ladefläche ist eine weiße Maschine mit dem Namen „Putzmeister“ gebettet. Die könnte sich vielleicht einmal um das arme Waisensofa kümmern, das vor zwei Tagen vor einem Antikmöbelgschäft ausgesetzt wurde und seitdem auf dem Bürgersteig bei Wind und Wetter sein Dasein fristen muss . Beim Vorbeifahren denke ich an all die Märchen, in denen Spielzeugfiguren mit Verstand und Gefühl um die Weihnachtszeit herum in Regalen verstauben und schließlich in letzter Sekunde doch noch ein neues Zuhause finden. Ob das dem Sofa gelingen wird, ist leider zweifelhaft. Gesellschaft hingegen hat wenigstens der Graureiher, der still im flachen Wasser des Teiches steht und von schlafenden Enten umringt wird. Ich grüße ihn lautlos. Dann schließt sich das Gitter meiner Arbeit hinter mir.

 

autumn catcher Oktober 22, 2008

Gespeichert unter: Mit dem fiets zur Arbeit — malimania @ 6:30
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autumn catcher (Hamburg), originally uploaded by malidinapoli.

Den Haag, 22.10.2008, 7.50h:
Mitteldunkel und trocken ist es auf der Fahrt. Die Allee riecht nach Herbst, und die Wächter des Schlossparks lassen imposante Autos hineinfahren. An den königlichen Ställen weht warmer Pferdegeruch herüber auf die Straße. Die ersten Mützen sind auf den Köpfen der Mitradfahrer zu finden, einige so eng wie Badekappen. Der „Spécialiste du frais“ – ein Obst- und Gemüsehändler, der meine „Holländer sind frankophil – Theorie“ stützt – ist wie immer hell erleuchtet, doch seit Tagen ist kein tapferer Gemüsehändler darin zu sehen, der frühmorgens Bananen sortiert oder Broccoli stapelt. In der kleinen Seitenstraße mit dem Kopfsteinpflaster sitzen eine Katze und zwei Häuser weiter ein Mann hinter einem Fenster und starren nach draußen. An der Tramhaltestelle schminkt sich eine Blondine sehr auffällig die Lippen und hält den Spiegel dafür auf Armlänge vor sich. Eine andere Reisende spricht lachend in ihr Handy. Dann schließt sich das Gitter meiner Arbeit hinter mir.