liquid, originally uploaded by malidinapoli.
Vor mir an der Kasse bei Albert Heijn steht ein junger Linker mit blonden Rastazöpfen und bunter indischer Umhängetasche. 12,64 € zeigt die Kasse an für seinen biologischen Merlot, die Eier aus Freilandhaltung und den Rest seines Einkaufs. Die gestandene Kassiererin Latifa, wohl surinamesisch-hindustanischer Herkunft, fragt ihn, ob er 5 Cent habe. Er zückt sein gewebtes Portemonnaie: „4 Cent? Nee, hab’ ich leider nicht.“, sagt er auf Deutsch. Latifa schaut auf seine ausgestreckte Hand mit den Münzen und wiederholt: „5 Cent?“ Ratlosigkeit. Ich fühle mich sehr integriert, da ich weiß, dass in den Niederlanden bei Centbeträgen immer auf- oder abgerundet wird, weil so gut wie keine 1- oder 2-Cent-Münzen im Umlauf sind. Meinen leicht besserwisserischen Einwurf „Sie fragt nach 5 Cent“ hört er nicht. Die Kassiererin gibt noch nicht auf. Ob er dann vielleicht 15 Cent habe, „vijftien“? „Fifteen?“, murmelt der Rastamann. „Yes, fifteen!“, erwidert sie. Er zählt die Münzen ab und und überreicht sie ihr lächelnd. „Have a nice day“, ruft sie und lächelt zurück. Es ist das erste Mal, dass ich sie englisch reden höre, und es bereitet ihr sichtlich Spaß. „You also!“ antwortet er fröhlich und geht. Mein Integrationstriumph ist zwar etwas gedämpft, weil Freundlichkeit die Unkenntnis der ländlichen Sitten locker geschlagen hat. Trotzdem macht mir dieser kleine internationale Zwischenfall sehr gute Laune.





