shadow ride, originally uploaded by malidinapoli.
Den Vögeln gehört frühmorgens der königliche Garten. Sie hüpfen Wege und Wiesen entlang und lassen ihren Gesang bis auf die Straße hören, die ich mit dem Rad entlangfahre. Aus den königlichen Ställen klingt das altmodische Geräusch eines auf Steinboden tanzenden Besens. Kein Pferdegeruch weht herüber. Dafür haben die Bäume, vom Frühling gestärkt, ihre Blätter inzwischen so weit entfaltet, dass ihr Schatten im Zusammenspiel mit der Morgensonne ein Muster auf den Prinsessewal wirft. Es macht Spaß, durch die kühle und doch sonnige Allee zu fahren.
Eine Möwe lässt ihren weißen Bauch sehen, als sie über die Ampel fliegt, an der ich warten muss. Ihre Schwestern haben eine Straße weiter ganze Arbeit geleistet: Der Müll aus den aufgepickten Müllbeuteln am Straßenrand liegt überall verstreut und macht das Radfahren zum Slalom. Er bildet einen fast beunruhigenden Kontrast zu den sorgsam dekorierten Schaufenstern. Über meinem Kopf flattert es; vereinzelt stecken noch niederländische Fahnen in den Halterungen, Zeugen von Koninginne- und Bevrijdingsdag.
Fußgänger gibt es nicht, dafür zwei Schuljungen auf dem Rad. Sie stecken genau in der Phase zwischen Kindheit und Pubertät; der eine schaut mich mit gerunzelter Stirn an, um Coolness bemüht. Aus einem Auto purzeln bunte Mädchen, ihre Jacken glänzen im Licht. Das helle Hochhaus auf der linken Seite ist das Imperium der symmetrisch aufgestellten Vasen am Fenster. Einen Menschen habe ich dort noch nie hinausblicken sehen. Ob der Reiher wohl wieder am Teich gegenüber steht?, denke ich – und dann schließt sich das Tor meiner Arbeit hinter mir.













