all of a sudden, originally uploaded by malidinapoli.
Mit der Tram 17 fahre ich Richtung Hollands Spoor. Der Bahnhof liegt in einem Den Haager Problemviertel. Zwei Jungs um die 16 mit geschätztem türkischen oder marokkanischen Hintergrund und hochgeschobenen weißen Baseballmützen steigen zu und setzen sich hinter mich auf die hintersten Plätze. Ihr Aussehen und Verhalten (starkes Übergewicht, leerer Gesichtsausdruck beim einen, Starren und nervöses Machotänzeln beim anderen) lassen mich „Aha, hangjongeren! (‘Rumhängjungs’ oder solche, die im Berlin der 1920er Jahre wahrscheinlich ‘Eckensteher’ geheissen hätten) denken. „Moment, moment, vorsichtig mit Vorurteilen!“, rufe ich mich in Gedanken zur Ordnung. „Vielleicht sind das ja auch ganz charmante und brave Söhne dieser Stadt.“ Und dann höre ich zu – soweit möglich. Sie sprechen wildes und nicht immer verständliches Niederländisch, eine Art private „straattaal“ („Straßensprache“). Hier eine grobe Übersetzung:
-“Ey, willst du etwa nicht zur Businessschool? Bist du blöd oder was?“
- „Doch, schon, aber sie lassen misch nisch’. Die Lehrer ham gesagt, sie könn’ nisch mehr mit mir fertig werden.“
- „Wieso das denn, ey?“
- „Naja, neulich hab’ isch mein Messer mit in die Schule genommen…“
- „Kanker! (wörtlich: Krebs; beliebtes Schimpfwort) Ey, niemals darfst du dein Messer mitnehmen, Alter, die finden das doch immer. Bei mir ham’se mal alle Garderoben durchsucht und sind schließlich an meine Tasche gegangen, kanker…“
Sie steigen aus und laufen betont breitbeinig über die Straße – und ich revidiere meine Vorurteile gegenüber meinen Vorurteilen. Jedenfalls in diesem konkreten Fall…





