
Junge vor einem Busfenster in Berlin Kreuzberg
Nicht nur in der Tram, auch im Bus kann man Zeuge von kuriosen Gesprächen werden. Die Protagonisten diesmal: Drei kleine Jungs in dunkler Kleidung auf dem Weg zur Schule, die wie 10 aussehen, sich wie 16 benehmen und wahrscheinlich 12 sind. Sie schleudern sich in die letzte Sitzreihe, genau hinter J. und mich. Wir wiederum waren gerade nach hinten geflohen, weil wir keine Lust hatten, dem endlosen Telefonat einer Asiatin folgen zu müssen, die keinen Blick für ihre noch müde Umwelt hatte. Nun also die Jungs – wir ergeben uns in unser Schicksal und hören zu. Bei ihrer Gesprächslautstärke geht es auch nicht anders. Wie neulich in der Tram kann ich nicht alles verstehen, bemerke aber die abgehackte und verdrehte Grammatik, sehr oft garniert mit den Kraftausdrücken “kanker” oder “kankerhoer” (“Krebs” bzw. “Krebshure”).
“Bist Du eigentlich Araber oder Berber?” fragen sie einander. Einer der drei ist Berber. “Kanker!” Und, unvermittelt: “Atatürk mag mijn pik likken!” (Atatürk kann meinen Schwanz lecken). J. und ich verkneifen uns das Lachen und sind gleichzeitig sehr froh, dass wir keine Lehrer sind. Immerhin ist die Schule auch kurz Gesprächsthema: “Ich weiß, was “suburbs” sind. Ist doch ganz einfach. Erdkunde sowieso ist leicht!” ruft einer triumphierend. Schnell wechseln sie zu Fußball: “Der FC Twente hat’s voll drauf, das sind die allerbesten! Die stehen auf Platz eins und da bleiben sie auch.” Ich mag es, dass sie sich mit einer holländischen Mannschaft identifizieren. “Ey, es stinkt nach Eiern!” Kichern. Der mit der Brille gibt zu, gestern appeltaart (Apfelkuchen) gegessen zu haben. “Hehee, das wird doch mit Eiern gemacht, iiih!” “Na und!” Wieder Lachen.
Sie steigen aus, und ich überlege, ob sie große Brüder haben, die sie imitieren und dass ich sie in ein paar Jahren wahrscheinlich eher unangenehm als lächerlich-niedlich finden werde. Welche Maßnahmen helfen könnten – am besten schon von kleinauf in den Familien – um ihr (sprachliches) Niveau zu heben. Ob sie sich sehr unterscheiden von meinen Mitschülern und mir, damals im Bus auf dem Weg zur Schule, am Beginn der Pubertät. Mein Gefühl sagt ‘ja’ – aber vielleicht ist diese gedankliche Unschuldserklärung der eigenen Jugend auch ein Symptom des Älterwerdens? Und ich werde hoffnungslos konservativ? Schnell küsse ich J. mitten auf den Mund.













